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Haiku heute

 

 

Ausgabe Februar 2011

Im Januar 2011 eingereichte Haiku

 

Schneezweige vor der Alten Burse, Tübingen, Foto Volker Friebel

Haiku-heute-2011-02

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Spätsommergarten
Beere für Beere
hebt sich der Ast

    Heike Stehr

 

Neujahrsmorgen –
den Dreck
aus den Hufen kratzen

    Simone K. Busch

 

januaracker
aus dem dunkel der schollen
lösen sich krähen

    René Possél

 

Verspätung
Schnee auf den Augenbrauen
Des Kontrolleurs

    Vladislav Hristov

 

kein Horizont ...
im Schrei einer Möwe
das letzte Geheimnis

    Andrea D‘Alessandro

 

 

 

 

Schneeschmelze ...
im überschwemmten Garten
mein Himmel

    Christa Beau

 

Neujahrsansprache
im Display
die Hände

    Winfried Benkel

 

loslassen
auch die schwache Hand –
erste Knospen

    Simone K. Busch

 

Schneeflöckchen –
die Vogelscheuche ist
nicht mehr allein

    Cezar-Florian Ciobîcă

 

Januarnacht –
auf der verschneiten Schaukel
eine Eule

    Cezar-Florian Ciobîcă

 

Vor der Haustür
der Opa schüttelt
die Schneeflocken vom Hut.

    Zorka Cordasevic

 

Wortbruch –
im Whiskyglas
ertrinkt eine Fliege

    Andrea D‘Alessandro

 

Gleißende Sonne
Die kalte Straße zerfließt
Endet im Meere

    Sebastian Deya

 

Friedliche Nacht –
im Spaten am Grabrand
eine Sternschnuppe

    Ioana Dinescu

 

Auf dem Weg zurück
zerreißt ein Schrei die Stille
Flügel schlagen wild

    Daniel Dreher

 

Vom Dom her
Orgelpassagen ...
der alte Kantor lächelt

    Roswitha Erler

 

Winternachmittag
Durch die Wohnung der Geruch
von Orangen

    Hans-Jürgen Göhrung

 

Dart
Ihre Worte treffen ins
letzte Doppel

    Hans-Jürgen Göhrung

 

Im Wartezimmer
von Stuhl zu Stuhl
springt der Husten

    Jochen Hahn-Klimroth

 

Beim Sonntagsfrühstück
noch unfrisiert
am Knödel die Haubenmeise

    Angelika Holweger

 

steife Wäsche
die weiße Brandung
über dem Riff

    Silvia Kempen

 

Streit –
die Kinder
ganz still

    Matthias Korn

 

tiefer Winter
der Nachbar verschwindet
Flocke für Flocke

    Gérard Krebs

 

Großvaters Garten
nun graben Fremde
die Erde um

    Marianne Kunz

 

Aus der Tiefe der Wüste
Wasser schöpfen
für die Sonnenblumen

    Marianne Kunz

 

Draußen ist die Nacht
nicht still genug
man kann den Schnee schon riechen.

    Viola Montenbruck

 

schwarzer kaffeeduft
hahnenschrei im kirchgarten
tropfen plätschern laut

    Wim Nieuwenhuijs

 

Plötzliche Stille;
Gleise glänzen im Mondlicht.
Ein Obdachloser.

    Eva Maria Pollerus

 

Stiller Weiher,
im Schilf tanzen die Wellen
mit dem Mond.

    Harald S. Prütz

 

auffrischender Wind
die Schrift der Wellen
unleserlich

    Gabriele Reinhard

 

fremde Kirche
das Kind an meiner Seite
sagt Amen

    Gabriele Reinhard

 

Vor dem Domportal.
Die junge Frau ganz in Weiß
umarmt einen Baum.

    Gerd Romahn

 

Eisige Nacht –
eine Handvoll Blätter
huscht ins Haus

    Gerd Romahn

 

während wir schweigen –
die Noten des Regens
im Schnee

    Helga Stania

 

Grenzsteine –
auf dem alten Schlachtfeld
schmilzt der Schnee

    Helga Stania

 

Wortgefecht
am Horizont kreuzen sich
Kondensstreifen

    Heike Stehr

 

durchschlagen
geschlossener augen.
cafehauslampen.

    Thomas Steiner

 

Arabische Nacht
das Glimmen der Smartphones
auf dem Basar

    Hannah Wilhelm

 

 

 

Vom 1. bis zum 31. Januar 2011 gingen für die Monatsauswahl Haiku heute 260 Haiku von 48 Autoren ein. Ich habe 38 ausgesucht, und 5 davon besonders hervorgehoben. Diese 5 stehen vorn, in willkürlicher Reihenfolge. Die Texte dahinter sind nach den Autorennamen alphabetisch geordnet. Von jedem Autor wurden höchstens zwei Haiku aufgenommen.

 

 

www.Haiku-heute.de, 10.02.2011               
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