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Haiku heute
Über den Tellerrand
Haiku fremder Zunge

 

 

Es schneit
Aus einer schwarzen Wolke
Schneeweiß

Abbas Kiarostami, geboren 1942 in Teheran. Der international bekannte iranische Filmregisseur begann als Maler, Graphiker und Buchillustrator. Er fotografiert auch und schreibt Gedichte, die am Haiku orientiert sind. Die erste Sammlung Hamrah ba bad erschien 1999 in Teheran und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Peter Handke schreibt im Nachwort der deutschen Ausgabe: „Undefinierbares Land, das alle diese in drei, höchstens vier Zeilen aufblitzenden kurzen Gedichtbilder sehen lassen. Und doch lassen sie, wie je nur Augenblicksgedichte, ein Land sehen – etwas wie das Land „Land“ –, ein gerade in der gleich wieder verschwundenen Kleinheit der Bilder sich auftuendes, ein grenzenloses.“

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/316052/

Gefunden in: Abbas Kiarostami, In Begleitung des Windes. Gedichte. Aus dem Persischen von Shirin Kumm und Hans-Ulrich Müller-Schwefe.
Seite 88. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2004.
Dargestellt von Udo Wenzel, 05.12.2005

 

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susamaji ya nôomote mina kuchi hiraki
 

how dreadful!
every mask in the noh drama
has its mouth open

    (Übers.: Ueda, S. 155)

Schauderhaft!
Masken im Nô-Drama,
alle Münder geöffnet

    (Übers., Angelika Wienert)

In seinem Buch „Far Beyond the Field. Haiku by Japanese Women“ stellt Makoto Ueda unter anderem die Haiku-Dichterin Yoshino Yoshiko (geboren 1915) aus Matsuyama vor. Ihr Vater, ein Sprachwissenschaftler, war ein Freund Shikis. Yoshino Yoshiko veröffentlichte mehrere Bücher, gründete das Haiku-Magazin Hoshi (Stern).

Das Haiku Yoshino Yoshikos bezieht sich auf das traditionsreiche Nô-Theater, das bis heute die japanische Kulturlandschaft bereichert. Ganz frühe Formen des Nô-Theaters hatten mit volkstümlicher Unterhaltung zu tun, die mit Shinto-Ritualen in Verbindung standen. Neue Formen (Tanz, Gesang) kamen hinzu. Im 14. und 15. Jahrhundert bildete sich dann das Nô-Theater heraus,  wie wir es heute kennen und das Publikum in eine Welt der Götter, Dämonen und Menschen entführt. In Zusammenhang mit dieser Form der Theaterkunst  findet sich immer wieder der Begriff yugen. – Nô drückt aus, was unter der Oberfläche liegt. Die Darstellung ist von hoher Abstraktion. Der Fächer, das allgegenwärtige Requisit, kann bei dieser symbolischen Theaterform alle Arten von Gegenständen repräsentieren. Bestimmte Darsteller tragen Masken, die aus Holz (oft Zedernholz) geschnitzt sind. Die Münder der Nô-Masken sind stets geöffnet (Ueda, S. 145ff; Binnie).


Nô-Masken:

http://www.japankunst.de/images/1834a_400.jpg
http://www.osuto-noh.info/images/nomaskekoomote_366.jpg
http://web-japan.org/factsheet/noh/media/noh_5b.jpe

 

Literatur:

Binnie, Paul: Japanisches Noh Theater.
http://www.artelino.de/articles/noh_theater.asp
(Binnies Ausführungen sind eine Übersetzung der engl. Net-Fassung, daher die Verwendung der Schreibweise „Noh“)

Ueda, Makoto: Far Beyond the Field. Haiku by Japanese Women. New York 2003 (Columbia University Press)


Gefunden und dargestellt von Angelika Wienert, Oktober 2005

 

 

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Ein Specht –
schnell fällt das Laub
auf die Wiese

kisutsuki ya ochiba wo isogu maki no kigi

Die von Mizuhara Shuoshi (1892-1981) beschriebene Szene ist auf dem Berg Akagi in der Gunma Präfektur angesiedelt und zeitlich dem Spätherbst zugeordnet. Shuoshi verbindet den auditiven Eindruck eines klopfenden Spechtes mit dem optischen von fallendem Laub. Die synästhetische Darstellung, die vom Leser erst vervollständigt werden muss, verleiht dem Haiku Plastizität. Zwei unabhängig voneinander existierende Vorgänge in der Natur können vom Leser humorvoll in eine Kausalitätsbeziehung gebracht werden. Ist die Geschwindkeit, in der die Blätter vom Baum fallen, vielleicht verursacht durch das schnelle Klopfen des Spechtes?

Wie wesentlich das Schriftbild für eine Beurteilung des Japanischen Haiku ist, zeigt die Tatsache, dass dieses inhaltlich doch eher konventionelle Haiku in Japan als besonders innovativ gilt. Shuoshi verwendete hier erstmals einen anderen Schriftstil. Das Haiku ist nicht mit schwarzer Tinte im sogenannten Sumie-Stil geschrieben, sondern im Stil der Ölmalerei des französischen Impressionismus.

Shuoshi war lange Zeit Schüler von Takahama Kyôshi (1874-1959), Herausgeber der bedeutenden Literaturzeitschrift hototogisu, und selbst einflussreicher Mitarbeiter des Magazins. Nach Auseinandersetzungen um dessen ästhetische Orientierung verließ er 1931 die Zeitschrift und erschütterte mit seinem Schritt die Hototogisu-Schule. Shuoshi lehnte den seit Mitte der 20er Jahre von Kyoshi dogmatisch propagierten Stil des kyakkan shasei (eine stark die „Objektivität“ des naturgetreuen Skizzierens betonende Richtung) ab. Dieser produziere flache und monotone Haiku, die nicht an Literatur, sondern an wissenschaftliche Beschreibungen erinnerten. Er betonte dagegen die Wichtigkeit, dass das Haiku vollendete Schönheit ausdrücken solle. Gegen die Forderung nach „Objektivität“ stellte er heraus, dass er beinahe die Hälfte seiner Haiku aus dem Gedächtnis heraus geschrieben habe. Doch seien im Grunde alle seine Haiku „eine Mischung aus Erinnerungen, Einbildungskraft und Wünschen“ (M. Fitterer) – selbst diejenigen, die aus unmittelbarer Beobachtung entstanden sind.  Wesentlicher als eine „Wahrheit in der Natur“ sei für die Literatur die „imaginative Wahrheit“. Seine Ablehnung eines naiven, an sogenannter „Objektivität“ ausgerichteten „Realismus“ zeigt eine Nähe zu zeitgenössischen ästhetischen Theorien, die auf moderner Wahrnehmungspsychologie und Gedächtnisforschung basieren.

 

Lost in Translation. Nachtrag zur Übersetzung

Das obige Haiku wurde von mir aus dem Englischen übertragen. Dort heißt es in der Übersetzung von Sato Kazuo und Patricia Donegan:

woodpecker –
leaves quickly fall
in the meadow

Eine weitere englische Übersetzung konnte ich nicht finden und hatte deshalb leider keine Vergleichsmöglichkeit. Eine Haiku-Autorin wies mich darauf hin, dass „in the meadow“ besser mit „ins Gras“ übersetzt wäre. Aber mir war auch daran gelegen, etwas von der Lautgestalt des Japanischen ins Deutsche hinüberzuretten. „maki no kigi“ lauten die letzten 5 Moren, übersetzt mit „auf die Wiese“ ergibt dies wenigstens ähnliche Vokale und ungefähr die gleiche Länge. Ich beschloss aber, vorsichtshalber noch einmal bei einem Fachmann nachzufragen. Dankenswerterweise antwortete mir der Japanologe Dr. Robert F. Wittkamp und zeigte ganz neue Aspekte auf:

„isogu“ ist mit „schnell“ stark verkürzt übersetzt. Es heißt eigentlich „sich beeilen, hetzen“. „kigi“ sind die Bäume und „maki“ ist nicht die Wiese, sondern eine Weide. Die Bäume wetteifern darum, als schnellster das Laub abgeworfen zu haben. Aufgrund dieser Informationen würde ich nun übersetzen:

Ein Specht –
das Laub auf die Weide zu werfen,
wetteifern die Bäume.

Damit steht meine Interpretation des Haiku in Frage. Stattdessen sehen wir ein poetisches Mittel, dessen Verwendung im Haiku im Westen oft als Tabu betrachtet wird: eine Personalisierung. Möglicherweise haftet dem Haiku gerade dadurch „hai“ an – das „hai“ des „hai-ku“, die humorvolle Note des Verses (ku). Shuoshis Blick auf diese Szene betrachte ich nun als ungewöhnlich, also ist auch der Inhalt des Haiku nicht als „konventionell“ zu bezeichnen.

Dies zeigt die Problematik des Übersetzens, ganz besonders des Übersetzens aus Übersetzungen. Sinnvoll wäre die Gründung einer Gruppe, in der Japanologen bzw. Japanisch-Kundige gemeinsam mit Autoren an Haiku-Übersetzungen arbeiten. Ein erster Aufruf in der DHG blieb leider folgenlos. Interessenten mögen sich bitte bei mir oder Haiku-heute melden.

    Nachtrag im Oktober 2005

 

Aus dem Englischen übersetzt und dargestellt von Udo Wenzel im Oktober 2005 (der Nachtrag wurde im November ergänzt).
Gefunden auf der Website der Haiku International Association:
http://www.haiku-hia.com/kongetsu_en02.html

Verwendete Literatur: neben diversen Internetseiten der Aufsatz von Mario Fitterer: Das Verschwinden der Schwalbe. In: Vierteljahresschrift der Deutschen Haiku-Gesellschaft, Nummer 67, 2005, Seite 5-24.

 

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Sommermorgen
das armer Leute Kind
zerrt und drückt und herzt
einen Kohlkopf

Natsuasa hinmin no ko ga hikikakaetaru hitotsuno kyabetsu
 

Ippekiro Nakatsuka (1887-1946) gilt als der Begründer der freien Form des Haiku. Das vorgestellte Haiku hat 26 anstelle der traditionellen 17 Moren und zeigt ein schlichtes, berührendes Bild aus dem Alltag der armen Bevölkerungsschicht.

Eine der wesentlichen Neuerungen des modernen Haiku, dessen Geschichte in der Meiji Epoche (ab 1868) beginnt, war die Anpassung des Sprachstils an die gesprochene Sprache. Von nun an gab es immer mehr Versuche, die Umgangssprache in die Literatur zu integrieren. Die gehobene literarische Sprache, von der die Haiku-Dichtung stark geprägt war, unterschied sich sehr von der gesprochenen Sprache und viele Dichter empfanden es als unpassend in ihr moderne Ideen auszudrücken. Das 5-7-5 Morenmuster eignete sich zwar gut für den gehobenen Sprachstil, aber nicht für die Alltagssprache. Aus diesem Grund gab Ippekiro 1915, wie auch schon Kawahigashi Hekigoto (1873-1937), das 17-Moren-Schema auf. Zudem kritisierte er die Verpflichtung zu einem Jahreszeitenwort (kigo). Er hinterfragte auch die Praxis der von Haiku-Meistern dominierten Haiku-Magazine, an deren Stil man sich anpassen musste, um überhaupt veröffentlicht zu werden. Ippekiro riet den Haiku-Dichtern stattdessen ihren persönlichen Stil zu entwickeln. Der unverstellte Ausdruck der Gefühle sollte neuen Schwung in den schöpferischen Prozess bringen. Ab 1917 gab er das erste Magazin der „freien Haiku-Form“ namens Kaiko heraus.

Ippekiros Haiku überzeugen noch heute durch ihre Klarheit, Unprätentiösität und Aktualität.

Aus dem Englischen übersetzt und dargestellt von Udo Wenzel im August 2005.

Gefunden in: Takiguchi, Susumu: Traditional Japanese School Lesson 3. World Haiku Review, Vol. I, Issue 1, Mai 2001
http://www.worldhaikureview.org/1-1/whcschoolsjapan5.shtml

 

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Rentjur i solgass.
Flugorna syr och syr fast
skuggan vid marken.

Renhirsch im Sonnenglast.
Die Fliegen nähen und nähen
den Schatten am Boden fest.

Tomas Tranströmer, geboren 1931 in Stockholm. Gilt als der bedeutendste schwedische Lyriker der Gegenwart. Vielfach international ausgezeichnet, in Deutschland beispielsweise 1981 mit dem Petrarca-Preis. Der vor kurzem auf Deutsch erschienene Band „Das große Rätsel“ enthält neben fünf Gedichten eine Reihe von „Haikus“ aus den späten 50ern, die nach einem Besuch in einer Jugendstrafanstalt entstanden, und eine Reihe neuer Haiku. Seine Texte sind geprägt von einer faszinierenden Bilderwelt, Paradoxien, überraschenden Wendungen und komplexen Metaphern. Motive wie Tod, Gott, Meer und Schatten sind häufig anzutreffen. Alle Haiku von Tomas Tranströmer sind im 5-7-5 Muster in einer klaren Sprache ohne Füllwörter oder umständliche Formulierungen geschrieben. Im obigen Haiku entsteht in der Sommerhitze aus dem surrenden Geräusch der Fliegen ein eindringliches Bild, in dem Realität und Vorstellung auf ungewöhnliche Weise verschmelzen.

Tomas Tranströmer: Das große Rätsel. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Hanns Grössel. Carl Hanser, München Wien,2005

Gefunden und dargestellt von Udo Wenzel, Juli 2005

 

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Ein Haiku von Alain Kervern

Alain Kervern, der, wie er sagt, die Techniken des Haiku der bretonischen Sensibilität eingewöhnen möchte, schreibt freestyle-Haiku, die manchmal sehr kurz sind. Eines davon wird in der von der l’Association Française de Haïku im November 2004 herausgegebenen Schrift „Le haïku en français“ zitiert:

la nuit
peu à peu
se détache de nous

die Nacht
nach und nach
löst sie sich von uns

Eine einfache Aussage, die in der Zeilenauffächerung den Blick für die Dynamik des Geschehens öffnet. Die Situation dreht sich, sodaß wir unausgesprochen ins Licht, in den Tag geraten. Ich stelle mir diese Nacht, unbehelligt von Neonlichtern, in ihrer ganzen elementaren Tiefe vor. In seinem Haikuband „Les portes du monde“ (Die Pforten der Welt bzw. Die Pforten zur Welt), 1992, werden die Naturgewalten, Meer und Unwetter, in voller Wucht erlebt. „Où finit l’océan / Où commençe / Ma nuit?“ (Wo endet der Ozean / Wo beginnt / Meine Nacht?), heißt es dort.

Nacht. Eine Sommernacht? Eine Nacht im Herbst, im Winter? Wir wissen es nicht. Wir sind an die Nacht an sich gebunden, sie löst sich von uns. Wir können uns an keiner Jahreszeit festhalten. Das Haiku ist deshalb nicht weniger Haiku. Wie der Zyklus der Jahreszeiten folgt der Wechsel von Nacht und Tag dem Prinzip von Werden und Vergehen.

Die Phase der Nacht ist hervorgehoben, die des Tages ausgeblendet. Im Haiku sind wir in einer polaren Spannung, die nicht antithetisch ist. Wir erfahren eine harmonische Umformung in den anderen Pol. Wir sind in zyklischer Bewegung, gelöst von jedem Widerstand gegen den Wandel, in Übereinstimmung mit dem Rhythmus des Kosmos.

Text und Übersetzung von Mario Fitterer,
Erstveröffentlichung Juni 2005 auf Haiku heute

 

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Ein Zug fährt vorbei;
    vom Rauche umwirbelt,
        die jungen Blätter!

kisha sugite / kemuri uzumaku / wakaba kana

Masaoka Shiki (1867-1902) ist der Namensgeber des Haiku. Vor Shiki wurden die Verse der japanischen Kettendichtung haikai genannt, der Startvers hieß hokku. Das Wort haiku ist eine Zusammenziehung der beiden Wörter (hai = Humor, ku = Vers). Shiki war ein entschiedener Gegner der Kettendichtung, er sprach ihr jegliche literarische Qualität ab und hielt den Einzelvers dagegen. Vor allem aber gilt er als ein bedeutender Erneuerer des Haiku, der der kraftlos gewordenen und zum Sprachspiel erstarrten Dichtung wieder zu neuem Ansehen verhalf und sie in die Moderne führte. Shiki lebte während der 1868 beginnenden Meiji-Restauration, einer Umbruchzeit, in der sich Japan nach langer Abschottung wieder verstärkt Einflüssen aus dem Westen öffnete. Er unterstützte die Literaturzeitschrift hototogisu und veröffentlichte seine Haiku und die seiner Schüler in der nationalistisch orientierten Zeitung Nihon. Beeinflusst von der westlichen Landschaftsmalerei übernahm Shiki um 1893 das Konzept realistischer und objektiver Darstellung (shasei = naturgetreues Skizzieren) als Forderung für das Haiku. Allerdings ist Shikis Realismus nicht mit dem der westlichen Literatur identisch, seine Dichtung trägt deutlich romantische Züge. Es ging ihm weniger um eine realistische Abbildung der Welt als vielmehr darum, die Schönheit der Wirklichkeit in konkreten Bildern „objektiv“ darzustellen. Als Gegner eines Schreibens aus der Phantasie entstanden vermutlich alle seine Haiku aus direkter Beobachtung. Shiki litt lange Zeit an Rückgrattuberkulose, an der er schließlich im Alter von 35 Jahren starb. Das obige Haiku stammt aus dem Jahr 1895, kurz nachdem er von der Krankheit erfuhr. In die kühlen, objektiven Bilder seiner Gedichte fließt zu dieser Zeit eine neue Zartheit. Er hinterließ ca. 23.000 Haiku, außerdem erneuerte er die waka-Dichtung, schrieb Prosa und eine Vielzahl von Aufsätzen zur Poetik.

Die Übersetzung ist entnommen aus: Reck, Michael: Masaoka Shiki und seine Haiku-Dichtung. Verlag W. & I.M. Salzer, München, 1968, Seite 89;
gefunden und dargestellt von Udo Wenzel im Mai 2005

 

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Voll von Magnolienblüten
Der Himmel
In den ich schau

Mokuren no hana bakari naru sora o miru

Natsume, Sôseki (1867-1916) bedeutender japanischer Schriftsteller der Meiji-Zeit. Seit 1887 Freundschaft mit Masaoka Shiki, dem Herausgeber der bekannten Literaturzeitschrift hototogisu, der ihn ermutigte, Schriftsteller zu werden und ihn in die Haiku-Dichtung einführte. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in London Professor für Englische Literatur in Tokio. Sôseki Natsume schrieb Haiku, chinesische Poesie und vor allem eine Vielzahl von Novellen. Das Haiku ist der Novelle „Das Graskissen-Buch“ (japanisch: kusamakura) von 1906 entnommen, einem Schlüsselwerk der japanischen Moderne, das mit Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ und weiteren Künstlerromanen des fin de siècles verglichen wird. Ein Maler des westlichen Stils entflieht der Hektik der Großstadt und begibt sich auf eine Wanderung. Von der Natur der Berglandschaft verspricht er sich neue Anregungen. In einer abgelegenen Herberge trifft er auf eine geheimnisvolle Frau. Der Roman enthält neben wenigen Haiku und Gedichten im chinesischen Stil auch Passagen, aus denen der Leser Einblicke in Aspekte der Japanischen Ästhetik erhält.

Natsume, Sôseki: Das Graskissen-Buch. Aus dem Japanischen übersetzt von Christoph Langmann. Berlin 1996;
gefunden und dargestellt von Udo Wenzel, April 2005

 

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So hat mein Vater schon
die Berge gesehen,
eingeschneit, allein.

    Issa

Kobayashi Issa (1763-1827): „Armut, Einsamkeit, Alter und Tod sind Hauptthemen seiner Dichtung, zugleich damit aber die Verbundenheit mit der Natur, den Tieren besonders ... er gilt als der Humanist und zugleich Realist unter den Haiku-Dichtern ...“ (Krusche, Seite 144)

      Die Übersetzung ist entnommen aus: Krusche, Dietrich: Haiku. Dtv, München, 2002 (8. Auflage), Seite 108,
      gefunden von Angelika Wienert, März 2005
       

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